Wie verliert ein Kind seine Lebendigkeit?

Die natürliche Lebendigkeit wieder leben lassen

Das begabte Kind

So beschreibt Alice Miller in ihrem wunderbaren Buch "Das Drama des begabten Kindes" ein Kind, welches die Begabung hat, Gefühle und Bedürfnisse anderer feinfühlig wahrzunehmen und bereit ist, eigene Bedürfnisse, Gefühle und damit die eigene natürliche Lebendigket für die der anderen zurückzustellen.
Warum tut ein Kind das? Es braucht kaum etwas auf dieser Welt zum Leben so sehr wie  Zuwendung und Liebe, um leben und wachsen zu können. Liebesentzug ist für ein Kind quasi gleichbedeutend mit Tod. Es ist sehr intuitiv und selbst voller Liebe, die sich hingeben kann, die sich verschenken möchte. Es fühlt, dass die Eltern selbst hilflos sind und Unterstützung brauchen und das Ausleben eigener Bedürfnisse und Gefühle die Eltern überfordern würde.
Die Kehrseite der Medaillie ist eine Entfremdung vom eigenen SELBST, von den eigenen Bedürfnissen, Gefühlen und der eigenen Lebendigkeit. Diese können nicht gelebt werden.
Diese werden so sehr unterdrückt, dass dieses Kind nicht einmal etwas von deren Existenz weiß und meint, die gelebten Gefühle, Gedanken ... der anderen wären wohl die eigenen.
Damit einher gehen starke Gefühle von Einsamkeit, Leere, Scham und Schuld, Ablehnung, Sinnlosigkeit, Heimatlosigkeit und einer ständigen Sehnsucht nach etwas, das nicht einmal benannt werden kann.

Ein Leben mit wenig verbleibender natürlicher Lebendigkeit

Viele grundlegende Bedürfnisse, wie Zuwendung, Liebe, Aufmerksamkeit, emotionale Unterstützung und spielerisches SEIN bleiben diesem Kind verwehrt. Die inneren Eltern des Kindes werden auch im Erwachsenenalter ähnlich agieren, d.h. das innere Kind leidet auch noch als Erwachsener. Es sehnt sich nach Vertrauen, nach Liebe, nach Achtung, nach Unterstützung, nach liebevollem Beziehungen und weiß doch nicht, wie es diese Sehnsucht stillen kann. Ablenkungen, wie Fernsehen, Rauchen, Alkohol etc. helfen kurzzeitig, aber dann ist der alte Schmerz wieder da. Die Suche im Außen nach Bestätigung, Zuwendung, Aufmerksamkeit ...findet nicht die Erfüllung, nicht die Ruhe, nicht den Frieden, nach dem sich dieser Mensch so sehr sehnt. In der Folge sind diese Menschen oft Opfer von Manipulationen und neigen dazu ausgenutzt zu werden oder aber verlieren sich im sog. "Helfersyndrom".

Lebendigkeit leben im Hier und Jetzt

Eine "verpasste Kindheit" kann nicht wieder nachgeholt werden. Sie wird auch nicht mit viel Anstrengung eine Kindheit sein, die man gern gehabt hätte. Dieser Verlust kann gefühlt werden. Es ist möglich. Das (innere) Kind kann in seinen Bedürfnissen gesehen und verstanden werden. Es ist genau das, worauf das innere Kind schon soooo lange wartet...Es wartet bis Hilfe in Sicht ist. Die Vergangenheit ganz bewusst fühlend wahrzunehmen kann helfen, alte Wunden heilen zu lassen und im Hier und Jetzt zu leben, ein eigenes selbstverantwortliches Leben zu führen.
Ansonsten werden unterdrückte Bedürfnisse und Gefühle sich einen anderen Weg suchen, der mitunter weniger hilfreich ist. Eltern können Kinder zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse zumeist unbewusst nutzen, Gewalt soll helfen weiter zu unterdrücken...oder andere Wege.

Wichtig ist fühlendes Wahrnehmen und Annehmen dessen, was war!

Dann ...können wichtige Entwicklungsprozesse, die unterbrochen wurden, weiterlaufen.
Dann ...ist eine gute Selbstfürsorge möglich.
Dann ...werden wir Erwachsen, wirklich erwachsen.
Dann ...fühlen wir wieder mehr mit anderen mit.
Dann ...erfüllen wir uns selbst unsere Bedürfnisse nach Bestätigung, Aufmerksamkeit,
                  Zuwendung, Geborgenheit, Sicherheit etc.
Dann ...fühlen wir unsere Gefühle und nutzen sie als Wegweiser für unsere Entscheidungen.
Dann ...vertrauen wir uns selbst und dem Leben.
Dann sind wir frei.