Gefühle fühlen

Fühle dich und deine Gefühle. Dann erlebst du dich lebendig.

"Aber um glücklich und zufrieden, mutig und zuversichtlich leben zu können, müssen wir in der Lage sein, etwas zu empfinden. Wir müssen also die Intelligenz und die Kraft unserer Gefühle wieder erkennen und nutzen lernen."

[Gerald Hüther]


Die Bedeutung von Gefühlen

Unsere Gefühle und Emotionen beeinflussen unsere Wahrnehmung, unsere Einstellungen, unser Denken, Körper, Seele und Beziehungsgestaltung. Sie äußern sich nonverbal und verbal und sind für unsere psychischen Zustände bei uns selbst verantwortlich. Ohne Bewusstsein über die eigenen Gefühle kann keine Empathie und Beziehungsfähigkeit, keine emotionale Intelligenz – und auch keine psychosozialen Kompetenzen entwickelt werden.

Daher wirkt sich ein konstruktiver Umgang mit unseren Gefühlen positiv auf unseren Körper und unsere Beziehungen aus.

Meine Gefühle fühlen ist natürlich und heilsam

Jedes Gefühl möchte gern gefühlt werden, auch die unliebsamen, wie bsp. Ablehnung, Angst, Wut... Sie kommen und gehen ganz natürlich, wie eine Welle im Meer. Wir sind menschliche Wesen, die gern fühlend das eigene Leben leben möchten. Es geht weniger darum, ein Gefühl weg haben zu wollen, sondern alte Reaktionsmuster in aktuellen Situationen loslassen und neue Reaktionen zu lernen, wie bspw. "Auch mit diesem Gefühl kann ich SEIN. Ich kann atmen. Ich kann es bewusst wahrnehmen und fühlen in meinem Körper. Ich lebe und atme. Ich bin."

Dennoch neigen wir aufgrund unserer früheren Erfahrungen dazu, unsere eigenen Gefühle zu verdrängen und zu bekämpfen, sie hinunterschlucken mit dem bekannten Kloß im Hals oder uns ganz zurückzuziehen. Im Extremfall können wir den Kontakt zu unserem Gefühlsleben verlieren.

 

Stern, Psychologie "Gefühle möchten gefühlt werden, warum man vor ihnen nicht weglaufen kann." (8.11.2017)

https://www.stern.de/neon/magazin/freizeit/psychologie--warum-man-vor-seinen-gefuehlen-nicht-weglaufen-kann-7684386.html

Mit einem Video von Eckhart Tolle über das Annehmen negativer Gefühle.

Unsere Erziehung und Gefühle fühlen

Jeder von uns kennt Sätze aus seiner Kindheit, wie bspw.  Reg Dich doch nicht so auf“,
„Hat doch gar nicht weh getan“, „Du brauchst keine Angst zu haben“, „Stell Dich nicht so an“
(Kritik) oder gar „Wenn Du so ein Theater machst, gibt es heute kein Eis." (Sanktionen).
In dem Moment konnten wir als Kind unsere eigenen Gefühle nicht vollständig liebevoll annehmen. Wir haben ein Stück von uns selbst im Inneren nicht leben können und statt dessen sog. Muster entwickelt, d.h. wir haben uns angepasst und das Leben so gelebt, wie es von unseren Bezugspersonen vorgegeben wurde.

Das bedeutet auch, dass wir an bestimmten Stellen verlernt haben, wirklich und vollständig unsere Gefühle zu fühlen. Jetzt als Erwachsener dürfen wir uns für unsere Gefühle entscheiden und sie liebevoll in unser Leben integrieren. Aber die alten Muster machen es uns nicht immer leicht.

 

Gerade hochsensible Kinder sind an dieser Stelle mit ihrer Wahrnehmung schneller in einem Anpassungsmuster festgefahren, weil sie die Stimmungen anderer mit ihrer feinen Wahrnehmung sofort auffangen und darüber hinaus mit ihrer Feinfühligkeit andere unterstützen.

Gefühle fühlen in Form von Körperempfindungen

Unsere Gefühle zu fühlen verhilft uns zu einem emotionalen Gleichgewicht, zu Zugang zu unserer innereren Klarheit und zu Seinsgefühlen, wie Freude, Liebe und Mitgefühl.

Gefühle fühlen bedeutet für die meisten Menschen, das Gefühl zu benennen, wie bspw. "Ich bin wütend." Das ist noch kein umfassendes und echtes Fühlen. Unsere Gefühle sind in Form von Körperempfindungen fühlbar, wie bspw. ein Kloß im Hals, die Anspannung im Kiefer, Unruhe, Enge, Druck auf der Brust, Leere, Kälte, Übelkeit, Schwindel, Steifheit, SCHMERZ .
Fühlen bedeutet, wir fühlen diese Körperempfindungen ohne Wertungen, ohne Ablehnung, einfach nur wahrnehmen.

 

Hochsensible Menschen sind emotional und körperlich durchaus feinfühliger, so dass sie Körperempfindungen intensiver und auch schneller wahrnehmen und möglicherweise auch schneller verdrängen.